Aksel, Erdag Agirregoikoa, Juan Pérez Aladag, Nevin Birecikligil, Banu Cosentino, Antonio Deskur, Marta Genc, Tan Cemal Gürsoytrak, Hakan Kepenek, Ali Köksal, Serhat Polat, Neriman Ramberg, Lars Staeck, Klaus Stratmann, Roland Sungu, Asli Vardarman, Sencer Yirtmac, Nalan
Zeit:
28.08.2004 - 12.09.2004
Ausstellungs-Informationen
Es ist noch gar nicht lange her, da glaubten die bundesrepublikanischen Deutschen noch, daß es Sicherheit gebe ohne Gefahr. Aber sie mußten schnell lernen: je mehr Sicherheit gewollt oder erwartet wird, desto höher ist der Preis der Unsicherheit und der Gefahr, die gezahlt werden muß. Ulrich Beck hat in seinem Buch “Risikogesellschaft" ausführlich darauf hingewiesen.
Risikobewältigung ist aber auch ein Hauptantrieb gesellschaftlicher Organisation.
Kulturen lassen sich am triftigsten voneinander unterscheiden und miteinander vergleichen durch ihr Verhältnis zum Risiko.
Solche allgemeinen anthropologischen Reflexionen setzen Künstler heutzutage häufig in eine scharfe Beobachtung der Gegenwart um. Die Gefahr, aus der die britische Anthropologin Mary Douglas (“Risk and Culture") eine Art Konstante der Kultur gemacht hatte, wurde zum Indikator aktueller Stimmungen und der Befindlichkeit vom Tage - in allen Teilen der Welt.
Ohne eine Gegenwartstheorie parat zu haben, aber dennoch nah an der Zeit und beweglich im bildlichen Instrumentarium reagieren erstaunlicherweise Künstler, die z.B. in den wuchernden Metropolen Berlin und Istanbul leben, davon ein Großteil mit türkischem background, auf die strukturellen Probleme der Risikobewältigung im Großen wie im Kleinen, sei es nun im Sozialen, Ökonomischen oder in der Kunst.
Früher als ihre Kollegen in anderen europäischen Metropolen (etwa London, Paris oder Moskau) brachten Künstler aus Berlin und Istanbul die Jahre des Zusammenbruchs der großen Ideologien hinter sich. So waren die 90er Jahre für sie kein Krisendezennium, sondern ein Aufbruch in ein weites Feld - ein Weg in eine andere Zeitzone, eine Moderne der kulturellen Übergänge, des Transitorischen und der Unsicherheiten einer Weltbürgergesellschaft.
Die künstlerischen Positionen der Ausstellung "Berlin . Istanbul . vice versa" sollen ganz bewußt über attraktive Analogien zu mysteriösen Metaphern führen, die freilich auch Differenzen zwischen den beiden Städten unterstreichen und die Notwendigkeit grundsätzlicher Differenz gegenüber dem globalisierten Sinnverlust in der Kunst betonen.
Ausstellung in der ehemaligen Türkischen Bibliothek im Künstlerhaus Bethanien, Erdgeschoß rechts.
Eröffnung: 27.August 2004, 18 Uhr.
Bilder aus der Ausstellung
Serhat Köksal "NO Turistik NO Egzotik", Bildcollage