Bisky, Norbert Florschuetz, Thomas Gupta, Shilpa Kaila, Jan Koshlyakov, Valery Mikhailov, Boris Penalva, Joao Schleime, Cornelia Sonntag, Jan-Peter E. R. Spinhoven, Bill
Zeit:
11.09.2004 - 03.10.2004
Ausstellungs-Informationen
Rohkunstbau hat sich in den vergangenen Jahren zu einem großen Publikumsmagnet entwickelt. Die Ausstellungen internationaler und zeitgenössischer ortsbezogener Kunst mitten im Spreewald ziehen unzählige Besucher in den Bann. Die Tendenz ist weiter steigend, seit vor fünf Jahren das idyllisch gelegene Wasserschloss Groß Leuthen als Ausstellungsort gewählt wurde. Seit zwei Jahren ergänzt ein umfangreiches Festival darstellender Künste mit Landpartien die Veranstaltung. Anlässlich seines zehnjährigen Jubiläums kehrt Rohkunstbau das Prinzip des von der Metropole ins Dorf strömenden Publikums um und präsentiert sich im Anschluss an die diesjährige Ausstellung in Groß Leuthen auch in Berlin.
Die Ausstellung "Dorf in die Metropole" findet im Künstlerhaus Bethanien statt und zeigt Künstlerinnen und Künstler, die in den vergangenen Jahren an Ausstellungen im Wasserschloss Groß Leuthen beteiligt waren. Sie lassen sich, wie es die Kernkonzeption aller Projekte von Rohkunstbau vorsieht, auf die Architektur, die Historie und das Umfeld des Ausstellungsortes ein, entwickeln ortsspezifische Findungen und reagieren in der Produktion und Präsentation der Werke auf den neuen Raum. Wie in Groß Leuthen handelt es sich auch hier keineswegs um eine neutrale Ausstellungssituation, sondern um einen Raum voller Geschichte - ablesbar an der Architektur und dem Wandel ihrer Nutzung. Mit dem Studio 1 wird ein vormals sakraler Raum, die 1847 fertiggestellte Kapelle des ehemaligen Krankenhauses Bethanien bespielt, das heute als Künstlerhaus den Unbilden der leeren Kassen der öffentlichen Hand trotzt und sich über viele Jahre einen Namen in der internationalen Szene gemacht hat.
Beispielhaft für den Ortswechsel der Kunst und die veränderte Wahrnehmungssituation macht Bill Spinhovens (NL) Videoinstallation gleich im Eingangsbereich Veränderungen von Zeit und Raum interaktiv erlebbar. Jan-Peter E. R. Sonntags (D) Sound- und Lichtinstallation thematisiert eine Wahrnehmungserfahrung, die sich auf das Erlebnis und die Idee seiner optischen, akustischen und haptischen Simulation konzentriert. Die Einzigartigkeit des Moments wie die darüber hinausreichende individuelle Erfahrung gibt Jan Kailas (FIN) mittlerweile 80-teilige Porträtserie des finnischen Einsiedlers Elis Sinistö wieder, die ohne beliebig zu werden in dessen Grimassen eine Universalität des Ausdrucks beschreibt. Diese Bilderwand steht in direkter Kommunikation mit neuen Arbeiten der eindrucksvollen Malerei-Serie zum Papst von Cornelia Schleime (D).
Andere Künstler beziehen sich in der Übertragung ihrer Konzepte verstärkt auf die ehemalige Funktion des Raumes. So verwandelt Valery Koshlyakov (RUS) mit seiner sowohl utopische als auch sakrale Architekturzitate liefernde Klebeband-Installation die Apsis der Kapelle. Joao Panalva (P/GB) ist mit einer Soundarbeit vertreten, die direkte Verbindungen zur Geschichte Bethaniens als Krankenhaus aufbaut. Auf den Funktionswandel des Ortes lässt sich die Foto-Serie von Thomas Florschuetz (D) beziehen, die Transparenz und Öffnung von Räumen zum Gegenstand hat. Sehr konkret wird Norbert Bisky (D) in diesem Zusammenhang, indem er - entgegen seiner bekannten Malerei - als ironischer Spötter eines der alten und lange schon für die Ausstellungszwecke des Raumes verkleideten Fenster öffnet und in andächtig-sakraler Weise wiederbelebt.